Das unternehmerische Manifest

Wie Sie Ihr Unternehmen individuell und nachhaltig prägen

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21. November 2019

Führung & Philosophie

4 min.

Das unternehmerische Manifest beschreibt in wenigen prägnanten Sätzen die persönliche Intention des Unternehmers für das Unternehmen. Es stellt dar, was Sie in ihr Unternehmen hineintragen und verwirklicht sehen wollen. 

Manifest ist ein Begriff aus dem lateinischen und bedeutet ursprünglich „handgreiflich gemacht“ (manifestus). Wenn etwas sich manifestiert, tritt es in Erscheinung und wird sichtbar. Insofern ist jedes Unternehmen eine konkrete Manifestation der Ziele und Absichten seiner Gründerin. Werden diese Ursprungsgedanken auch im Nachhinein in einem unternehmerischen Manifest transparent und bewusst gemacht, entsteht ein erkennbarer roter Faden, der dem Unternehmen seine individuelle Prägung verleiht.

Im Unterschied zum Mission Statement oder einer Vision, die den Auftrag und die Ziele des Unternehmens in Bezug auf den Markt mit einer kollektiven Intention ausdrücken, ist das Manifest ein sehr viel persönlicheres Statement, das von dem Initiator oder dem Gründungsteam ausgeht und dessen individuelle Signatur trägt. Die Erarbeitung dieses Statements führt Sie zurück zum Ursprung des Unternehmens und zu Ihrer wesentlichen Motivation, Unternehmer zu werden.

Der Gründungsimpuls

Die Gründung eines Unternehmens beginnt lange vor dem Eintrag ins Handelsregister oder dem Erscheinen der Homepage. Sie beginnt mit einem konkreten Impuls, einer ersten Idee.

Unternehmer und Unternehmerinnen erinnern sich meistens sehr genau an den Augenblick, in dem die Idee geboren wurde. Sei es im Gespräch mit dem zukünftigen Partner, auf einer Autofahrt oder im Café an einem Sommertag: fragt man nach dem ersten Gründungsimpuls, kommt eine spontane Antwort, die die ganz individuelle Ausprägung des Unternehmens kennzeichnet. Zum Gründungsimpuls gehört immer eine Geschichte, die eine persönliche Leidenschaft oder eine persönliche Situation mit dem unternehmerischen Gedanken verbindet.

Gründungsimpulse sind so verschieden wie die Persönlichkeiten von Unternehmern. Sie reichen von Ideen wie „selbstbestimmt kreativ arbeiten“ oder „Beruf und Familie unter einen Hut bringen“ über „Wissen weitergeben“ bis hin zu „eine überpersönliche Marke etablieren“, um nur einige Beispiele zu nennen. Es ist eine kurze Aussage über Grundwerte und wesentliche Intentionen, die viel tiefer greift als auf den ersten Blick ersichtlich ist.

Der rote Faden

Der Gründungsimpuls stellt vor allem eine innere Haltung und Ausrichtung dar, die sich in der Kultur des Unternehmens, im Führungsstil und in der Art der Zusammenarbeit manifestieren. Diese Haltung bestimmt mehr oder weniger direkt auch die Organisationsform oder die Auswahl von Partnerinnen und Kollegen. So mancher gefühlte oder reale Konflikt im Unternehmen kann auf die fehlende Resonanz mit dem Gründungsimpuls zurückgeführt (und auf dieser Ebene auch gelöst) werden. So zieht er sich wie ein unsichtbarer roter Faden durch die Geschichte des Unternehmens und bestimmt dessen Geschicke mit.

Die Frage danach, welche Relevanz der Gründungsimpuls heute noch hat, bringt diesen roten Faden ans Licht. Die Rückbesinnung auf die Ausgangsidee fördert zu Tage, was möglicherweise verschüttet wurde und wieder zum Leben erweckt werden soll; was sich über die Zeit gehalten hat und was bewahrenswert ist.

Die eigene Rolle

Die Rolle der Unternehmerin ist vielfältig und verändert sich im Lauf der Unternehmensgeschichte. Während am Anfang eher die konkrete Arbeit an Produkten und Projekten im Vordergrund steht, steigt der Anteil der Managementaufgaben kontinuierlich mit dem Wachstum der Organisation. Daher ist es wichtig, das eigene Wollen und die eigene Rolle als Unternehmer im Unternehmen zu klären und sich selbst in der Organisation entsprechend zu verorten.

Was will ich als Unternehmerin für mich persönlich? Was will ich für das Unternehmen? Es ist erhellend, sich selbst in Bezug auf sein Unternehmen zu betrachten und zu benennen, wo die eigenen Wünsche im Unterschied zu den Wünschen für das Unternehmen liegen. Die Antworten sind hier ebenso individuell wie die Unternehmerpersönlichkeiten und fließen in das unternehmerische Manifest mit ein.

Sinnstiftung und Identität

Jedes Unternehmen ist eingebettet in einen größeren sozialen Kontext und lebt vom Austausch mit dem Umfeld, sei es mit Kunden, Mitarbeitern oder anderen Dienstleistern. Die Existenz des Unternehmens wird primär über Sinn und Wert des Austauschs für die Beteiligten gesichert. Im unternehmerischen Manifest muss also auch die Frage nach der Sinnstiftung für die betroffenen Menschen und die Umwelten beantwortet werden. Die Verbindung von den persönlichen Beweggründen zur Sinnhaftigkeit im Rahmen des Großen und Ganzen verankert die unternehmerische Idee jenseits des Individuums und ist identitätsstiftend für die gesamte Organisation.

Die Saat geht auf

Ein gutes unternehmerisches Manifest beschreibt in einer zeitlosen Qualität die Saat, die zu Beginn gepflanzt worden ist. Kennen wir den Keim, haben wir ein besseres Gefühl dafür, was dem Wachstum dieser Pflanze zuträglich ist, was man ihr zumuten kann und was ihre besonderen Stärken sind. Im übertragenen Sinne können wir am unternehmerischen Manifest erkennen, inwiefern angedachte Veränderungen zur Saat „passen“ und daher eine größere Chance auf Erfolg haben. So wie aus einer Kastanie keine Eiche wird, kann man ein Unternehmen selbst mit den besten Absichten nicht ohne Weiteres von seiner Ausgangsintention entfernen. Anstatt eine Transformation in eine Eiche anzustreben, ist es sinnvoller , sich auf die Entwicklung eines prachtvollen Kastanienbaums zu konzentrieren und das höchste Potenzial zu verwirklichen, das in der Saat des unternehmerischen Manifests angelegt ist.

Wann ein unternehmerisches Manifest besonders wertvoll ist

Die Erarbeitung eines unternehmerischen Manifests ist immer hilfreich, wenn Sie bereits einige Jahre oder Jahrzehnte mit Ihrem Unternehmen „gelebt“ haben, eine Transformation ansteht oder Ermüdungserscheinungen auftreten. Vielleicht haben Sie das Gefühl, dass die Begeisterung und Motivation in Ihrem Team abhanden gekommen ist, oder die Unternehmenskultur hat sich in eine Richtung entwickelt, die Ihrem Wesen nicht mehr entspricht. In solchen Fällen kann ein bewusst gestaltetes unternehmerisches Manifest einen Prozess der Neuausrichtung in Gang setzen, der Ihre fokussierte Intention in das Unternehmen integriert und dem Ganzen neuen Aufschwung verleiht.* 

Auch wenn die Gründung ein gemeinsames Projekt mehrerer Menschen war oder ist, lohnt es sich, die individuellen Motive durch die Erarbeitung eines unternehmerischen Manifests miteinander abzugleichen. Welche Unterschiede gibt es, und wie lassen diese sich produktiv integrieren? Wo ist der gemeinsame rote Faden, der als Richtschnur für das Ganze dienen kann? Mitunternehmer können sich so auf eine gemeinsame Plattform einigen, die auf einer weit persönlicheren Ebene bindet als ein Mission Statement.

Ein unternehmerisches Manifest ist schließlich im Rahmen von Generationswechseln oder Nachfolgeprozessen ein wertvoller Kompass, der organische Übergänge ermöglicht. Wenn die DNA des Unternehmens transparent ist, können Nachfolger oder neue Eigentümer diese in ihre Visionen und Strategien integrieren und die Geschichte des Unternehmens mit guten Aussichten weiterschreiben. 

 

*Die JOGUN Unternehmensberatung entwickelte die Grundidee des unternehmerischen Manifests als Teil eines integrierten Gesamtprozesses. Die in langjähriger Praxis bewährten Tools und Methoden der JOGUN sind fester Bestandteil der Arbeit von Organic Strategies.

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