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Der Rat des Zwergs

Wie Sie an unbezahlbare Informationen kommen

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18. Juni 2019

Märchenhafter Erfolg

4 min.

Aus dem Märchen vom Wasser des Lebens

Es war einmal ein alter König, der hatte drei Söhne und war sehr krank. Niemand konnte ihn heilen, auch nicht die besten Ärzte des Reiches. Eines Tages kam ein berühmter Arzt aus einem fernen Land und sagte, das Einzige was ihn retten könne, sei das Wasser des Lebens – es sei aber schwierig zu finden und der Weg dorthin voller Gefahren.

Daraufhin beschlossen die Söhne nacheinander, das Wasser des Lebens zu suchen. Der Älteste machte sich zuerst auf den Weg und „und als er eine Zeitlang fortgeritten war, stand da ein Zwerg auf dem Wege, der rief ihn an und sprach: „Wo hinaus so geschwind?“ „Dummer Knirps“, sagte der Prinz ganz stolz, „das brauchst du nicht zu wissen“, und ritt weiter. Das kleine Männchen aber war zornig geworden und hatte einen bösen Wunsch getan. Der Prinz geriet bald hernach in eine Bergschlucht, und je weiter er ritt, desto enger taten sich die Berge zusammen, und endlich ward der Weg so eng, daß er keinen Schritt weiter konnte; es war nicht möglich, das Pferd zu wenden oder aus dem Sattel zu steigen, und er saß da wie eingesperrt.“

Nachdem der erste nicht zurückkam, machte sich der zweite auf den Weg, begegnete ebenfalls dem Zwerg und ließ ihn genauso abblitzen, wie der ältere Bruder. So landete auch der zweite Sohn gefangen in einer Bergschlucht.

Nun zog der Jüngste aus. Als er dem Zwerg begegnete und dieser ihn nach seinem Weg fragte, „so hielt er an, gab ihm Rede und Antwort und sagte: „Ich suche das Wasser des Lebens, denn mein Vater ist sterbenskrank.“ „Weißt du auch, wo das zu finden ist?“ „Nein,“ sagte der Prinz. „Weil du dich betragen hast, wie sich’s geziemt, nicht übermütig wie deine falschen Brüder, so will ich dir Auskunft geben und dir sagen, wie du zu dem Wasser des Lebens gelangst.“ Der Zwerg erklärte dem Prinzen genau, was er zu tun habe, um an den Wächtern vorbei in das verwunschene Schloss zu kommen und das Wasser des Lebens zu finden. Mit dieser Anleitung konnte der Prinz sein Ziel erreichen und mit dem Wasser des Lebens die Heimreise antreten.

Die Sackgasse der Arroganz

Als erstes erleben wir, wie die beiden Älteren es in ihrer Eile nicht für nötig halten, dem Zwerg ihre Aufmerksamkeit zu schenken; mehr noch, sie werten ihn ab als jemanden, der einer echten Antwort nicht würdig ist. Ihre Arroganz hat einen doppelten Preis: zum einen ist der Zwerg gekränkt und rächt sich durch einen Fluch. Die Engherzigkeit der beiden Brüder wird ihnen sprichwörtlich vorgeführt, indem sie in einer steinernen Enge landen, aus der sie nicht vor und zurück können. Zum anderen lernen wir später, dass sie eine Möglichkeit versäumt haben, wesentliche Informationen für ihren Weg zum Ziel zu bekommen. Sie verbauen sich durch ihre Haltung selbst ihren Weg.

Zeit für Zwerge

Der Jüngste hingegen ist achtsam. Anstatt dem Zwerg auf seine Frage hin nur im Vorbeireiten zuzurufen, was sein Reiseziel sei, hält er an und tritt mit dem Zwerg in einen Dialog. Denn er sagt nicht nur, wohin er will, sondern teilt ihm auch den Grund seiner Reise mit. Mit anderen Worten, er nimmt den Zwerg ernst, er zeigt Respekt, indem er sein Ziel und sein Motiv offenbart. Dies ermöglicht die zweite Frage des Zwergs nach der Kenntnis des Wegs, und auch auf diese antwortet der Prinz ehrlich indem er zugibt, nicht zu wissen, wie er sein Wunschziel erreichen kann. Erst dann offenbart der Zwerg sein wahres Geschenk: eine genaue Wegbeschreibung einschließlich des Umgangs mit den zu erwartenden Hindernissen. Und wiederum erweist der Jüngste dem Zwerg seinen Respekt, indem er zuhört und später die Anweisungen genau ausführt. So wird ihm das Wasser des Lebens zuteil und er kann seinen Vater retten.

Diese Szene aus dem Märchen offenbart uns drei Grundsätze, die uns helfen unverhofft die besten Informationen zu erhalten:

1. „Zwerge“ beachten

Wir kennen das: in Eile hasten wir von einem Termin zum nächsten und sind mit unserer eigenen Todo-Liste beschäftigt. Oft nehmen wir uns in unserer vermeintlichen Wichtigkeit nicht die Zeit, innezuhalten um eine Frage ernsthaft zu beantworten. Wir vergeben uns dadurch Chancen, wertvolle Informationen zu bekommen und Verbündete zu gewinnen, die uns in unerwarteter Weise an entscheidenden Stellen zu Hilfe kommen können. Stattdessen kann Arroganz und Achtlosigkeit uns massiv schaden – und wir merken es erst, wenn wir am Ende allein da stehen oder uns in eine Schlucht hineinmanövriert haben, aus der wir nicht mehr hinauskommen. Wir unterschätzen die Macht der „Zwerge“ also auf eigene Gefahr. Der Lohn des Respekts gegenüber den Kleinen und scheinbar Unbedeutenden hingegen ist immens

2. Motive offenlegen

Der Rat des Zwergs wird nur preisgegeben, wenn man erzählt, was man vorhat und warum. Wie gut weiß unser Umfeld Bescheid über unsere Ziele und Motive? In wieweit sind wir bereit, den anderen – und vor allem den scheinbar Unwichtigen – mitzuteilen, was uns antreibt; auch wenn wir nicht glauben, dass andere uns ernsthaft weiterhelfen könnten? Selbst im Märchen kommt der Prinz nicht auf die Idee, den Zwerg um Rat zu fragen, sondern der Zwerg stellt dem Prinzen die entscheidende Frage: Weißt du auch, wo das Wasser des Lebens zu finden ist? Dies ist die Antwort auf die zuvor offenbarte Motivation, den sterbenskranken Vater heilen zu wollen. Wenn wir Respekt zeigen und unser Motiv ehrlich und nachvollziehbar ist, geben andere bereitwillig hilfreiche Informationen. Vielleicht nicht das, was wir erwartet haben – aber vielleicht genau das, was wir wissen müssen, um unser Ziel zu erreichen.

3. Zu seinem Unwissen stehen

Die dritte Voraussetzung für den Erhalt der wesentlichen Hinweise ist, sein Unwissen unumwunden zuzugeben. Nicht nur in Märchen werden Ziele in den Raum gestellt, bei denen völlig unklar ist, wie sie erreicht werden können. Aber sind wir ehrlich bereit, dazu zu stehen, dass wir uns in völliger Unkenntnis auf den Weg gemacht haben? Wie hätten wohl die älteren Brüder auf diese Frage des Zwergs reagiert? Hätten sie die Frage überhaupt ernst genommen, oder sie gar als Provokation verstanden? Das Märchen sagt uns auch an dieser Stelle, dass einfache Offenheit gewinnt.

Wenn wir also anderen unabhängig von Stand oder Äußerlichkeiten mit Offenheit und Respekt begegnen, so sagt uns das Märchen, haben wir gute Chancen, unbezahlbares Zwergenwissen geschenkt zu bekommen.

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Märchenhaften Erfolg erleben

Swaan Barrett erzählt dieses und andere Märchen aus dem Business auch als lebendigen Vortrag zu Ihren besonderen Anlässen.

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